Psychotherapie mit Kindern nach sexuellem Missbrauch

Kinderpsychotherapie nach sexuellem Missbrauch hat das Ziel, die Entwicklungsbedürfnisse der betroffenen Kinder zu sichern bzw. wiederherzustellen.

Nicht jedes missbrauchte Kind braucht Psychotherapie. Ob eine Psychotherapie eine sinnvolle und notwendige Maßnahme ist, stellt sich meistens entweder im Rahmen der Prozessbegleitung heraus oder wird in Erstgesprächen mit den schützenden Bezugspersonen und ggf. dem Kind abgeklärt. Viele Kinder verfügen über gute Ressourcen bzw. erhalten viel Unterstützung durch ihr Umfeld. Dann kann es ausreichend sein, die Bezugspersonen durch Beratung dabei zu unterstützen, wie sie ihr Kind im Bewältigungsprozess begleiten können.

Manchmal verursachen akute Belastungen durch die Traumatisierung (wie Alpträume, Angstzustände u.ä.) das größte Leiden, manchmal stehen aber auch andere Sorgen, Ängste und Befürchtungen (wie Schuldgefühle, der Verlust von Vertrauen u.ä.) im Vordergrund. Davon hängt ab, welche Vorgehensweise im Rahmen einer Psychotherapie angezeigt ist.

In der Psychotherapie ist Raum für alle Themen, die das Kind beschäftigen, unabhängig davon, ob diese mit dem sexuellen Missbrauch zu tun haben oder nicht. Welche Themen bearbeitet werden, richtet sich nach den Bedürfnissen des Kindes. Das Ziel einer Psychotherapie ist nicht nur, die Folgen eines Traumas zu vermindern oder zu vermeiden, sondern die Entwicklungsmöglichkeiten (Bedürfnisse) eines Kindes nachhaltig zu fördern/sichern.

Es ist wichtig, vor Beginn einer Psychotherapie abzuklären, ob der richtige Zeitpunkt dafür gegeben ist: Für manche Kinder ist es unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Missbrauchs wichtig, nicht gleich mit einer psychotherapeutischen Behandlung zu beginnen, da sie erst mal Ruhe und Sicherheit brauchen und sich nicht gleich mit diesem schwierigen Thema auseinander setzen können. Manchmal zeigen sich die Belastungen durch ein Missbrauchstrauma erst längere Zeit nach der Abklärung, und erst dann ist eine Psychotherapie angezeigt.

Wir erachten Psychotherapie erst dann als sinnvoll, wenn der sexuelle Missbrauch beendet ist. Davor kann das Kind psychotherapeutisch allenfalls stützend begleitet werden.

Kinderpsychotherapie ist mehr als eine „Spielstunde“. Im symbolischen Spiel und in kreativen Verfahren bringen Kinder zum Ausdruck, was sie bewusst und unbewusst beschäftigt. Durch die therapeutische Beziehung wird es möglich, die dargestellten Konflikte zu bearbeiten und zu verändern.

Nach unserem Konzept stellt die Kinderpsychotherapie einen geschützten Raum ausschließlich für das Kind dar. Die Mütter bzw. die schützenden Bezugspersonen erhalten begleitende Gespräche bei einer anderen Mitarbeiterin. So haben Sie die Möglichkeit, über Ihre Sorgen, Ängste u.ä. in einem eigenen geschützten Rahmen zu sprechen.

Für die meisten Mütter ist es eine Entlastung zu wissen, dass für ihr Kind eine eigene Therapeutin zur Verfügung steht, der es sich anvertrauen kann. Das Kind kann in der Therapie Belastendes zum Ausdruck bringen, das vielleicht zu beschämend ist, um es den engsten Bezugspersonen mitzuteilen. Durch die Elternberatung haben die Bezugspersonen auch die Möglichkeit, Wege zu finden, wie sie ihre Kinder im Alltag bei der Bewältigung des Erlebten unterstützen können.